bogevischs buero – Tafelquartier Nürnberg

Musikalisches Spiel der Kombinatorik

Format: 23 x 29 cm
Umfang: 28 Seiten
Ausstattung: verkürzter Umschlag, Fadenbindung
Erscheinung: 2026
ISBN: 978-3-948137-88-5
Preis: 8,00 €

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Lärmquellen aus drei Richtungen fanden bogevischs buero 2017 in Nürnberg auf dem Tafelgelände vor, wo ein großes Wohnquartier entstehen sollte. Der Nürnberger Auto-Ring und eine Regionalbahnstrecke begrenzen das Entwicklungsgebiet. Doch wie auf dem ehemaligen Gelände des größten deutschen Schweißeisenwalzwerks von Julius Tafel einst aus Metallschrott neue Eisenstäbe produziert wurden, so konnte auch aus der „schrottigen“ Lage hohe Wohnqualität recycelt werden. 

Den maßgeblichen Schutz des Quartiers bildet eine „Stadtmauer“. 260 Meter im sanften Bogen folgt die vier- bis sechsgeschossige Wand dem Straßenverlauf. Durch diese Barriere bleibt die großzügige Hofsituation mit Spielstraße dahinter ungestört von technischen Geräuschen. Das autofreie Quartier wurde städtebaulich so geplant, dass auch zum Bahndamm eine Wohneinheit mit Supermarkt den Lärm abschirmt. 

Was diese Tafel zu einem reich gedeckten Tisch des Lebenswerten macht, ist die hohe Differenziertheit der Anlage. 378 Wohnungen zwischen 37 Quadratmetern und 115 wurden hier auf 28 individuell geschneiderten Baukörpern verschränkt. Die Schwierigkeitsstufe wurde dadurch erhöht, dass jede Einheit Balkon, Loggia oder Terrasse haben sollte und einige Gewerbeeinheiten integriert wurden.

Aus all diesen Faktoren entwickelte sich ein architektonisches Domino, das viele individuelle Lösungen und Freiräume ermöglicht. In den Sprüngen zwischen den Geschosshöhen wurden Dachterrassen integriert. Räume der Zufallsbegegnung erzeugen Brücken zwischen den Blocks. Balkone und Loggien sind groß und niemals stereotyp über die Fassade dekliniert. Und im ständigen Wechsel von Weiß- und Erdtönen werden unterschiedliche Kontraste zwischen Balkonöffnungen und Wand erzeugt. 

Der unbedingte architektonische Wille, die Monotonie kosteneffizienter Entscheidungen spielerisch und mit einfachen Mitteln zu überwinden, ist überall stark zu spüren. Und das ergibt einen klaren Wegzeig, wie kluge konzeptionelle Entscheidungen dem Vereinheitlichungsdenken ökonomischer Prozesse wieder etwas mehr Menschentauglichkeit abgewinnen können.

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